Unsere Reise mit dem Glacier Express
Ein Geburtstagsgeschenk mit Winter im Gepäck
Letztes Jahr zum Geburtstag bekam ich einen Gutschein für den Glacier Express – diesen Panoramazug, den man immer auf Bildern sieht, wenn irgendwo „schönste Zugstrecke der Welt“ drunter steht. Ich habe mich riesig darüber gefreut. Mit der konkreten Planung haben wir aber erst später angefangen: überlegen, Termine vergleichen, Kalender wälzen.
Sommer oder Winter? Wir haben nicht lange diskutiert. Wenn schon Glacier Express, dann richtig – also Schnee, weiße Hänge, gefrorene Landschaft. Also fiel die Wahl auf Januar 2026. Im Kalender sah das Datum lange einfach nur nach „irgendwann“ aus – bis wir angefingen, die Hotels zu buchen.
Planung für die Glacier Express Reise
Die Grundidee nimmt Form an
Der Glacier Express fährt ganzjährig zwischen Zermatt und St. Moritz. Start- und Zielort sind verschieden – also nichts mit „Auto am Bahnhof stehen lassen und abends wiederkommen“. Genau das machte die Planung irgendwie komplexer.
Wir entschieden uns für den 27.01.2026 als Fahrtag. Genug Puffer vorher und nachher, damit sich die Anreise nicht wie ein Staffellauf anfühlt. Außerdem wollten wir die Reise nicht nur auf den Panoramazug reduzieren, sondern das Ganze als kleine Zugrundfahrt anlegen.

Auto parken, Zug leben
Relativ schnell stand fest: Auto nur bis zu einem zentralen Punkt, danach alles mit der Bahn. Die Schweizer Züge haben ja den Ruf, pünktlich zu sein – fast schon unverschämt pünktlich, wenn man die Deutsche Bahn gewohnt ist.
Wir hatten Jahre zuvor schon einmal das Auto in einer Hoteltiefgarage abgestellt und sind von dort weitergereist. Also wieder dieses Prinzip. Von dort sollte es dann Stück für Stück Richtung der Glacier Express Strecke gehen.
Die nächste Frage: In welche Richtung fahren wir? St. Moritz oder Zermatt zuerst? Weil St. Moritz preislich eher… sportlich ist, wollten wir dort nur kurz bleiben und nach der Fahrt länger in Zermatt. Das Matterhorn wollten wir uns bei der Gelegenheit unbedingt auch noch mit ansehen.
Früh dran und Geld gespart
Ganz nach dem Motto „Der frühe Vogel…“ wollten wir Mitte 2025 die Tickets für den Glacier Express buchen. Tja. Zu früh. Für Januar waren die Fahrten noch gar nicht buchbar, die Buchung dafür startete erst im Oktober.
Also haben wir stattdessen schonmal die Hotels gebucht – Hauptkriterium: Nähe zum Bahnhof. Mit Koffer durch die Gegend laufen macht einfach weniger Spaß, also lieber kurze Wege.
Bei der Recherche zu den restlichen Zugfahrten stießen wir auf die Swiss Half Fare Card. Eine Art Bahncard, mit der fast alles günstiger wird. Dazu ein „Spartagesticket“, mit dem man an einem Tag flexibel unterwegs sein kann – sogar im Panoramazug. So konnten wir uns für den 27.01. die 1. Klasse gönnen, die ursprünglich gar nicht geplant war, und zahlten trotzdem deutlich weniger als direkt über die Betreiberseite. Und weil wir mehrere Strecken fahren wollten, rechnete sich das sofort.
Was noch fehlte: die obligatorische Sitzplatzreservierung für den Glacier Express . Aber wie schon erwähnt, war das erst ab Oktober möglich.
Wenn die Planung plötzlich kippt
Der Morgen, an dem alles anders kam
Im Oktober war ich wieder auf der Seite. Nichts. Winterfahrplan ja, aber die Sitzplätze waren nur tageweise freigeschaltet. Also wieder warten und prüfen, wann genau gebucht werden kann.
Am 26.10. war es dann soweit und ich bin extra früh aufgestanden, um die Sitzplatzreservierungen zu sichern. Dann die Überraschung: die 1. Klasse war bereits komplett ausgebucht – ich konnte kaum glauben, dass so früh schon alles weg war.
Die bereits gekauften Spartagestickets waren nicht erstattbar. Also habe ich spontan die Gegenrichtung geprüft – und tatsächlich: ein letzter Zweiertisch am Fenster war noch frei. Erleichtert habe ich die Plätze sofort gebucht und damit stand unsere Fahrt mit dem Glacier Express am 27.01.2026 fest – nur eben in die andere Richtung.
Alles wieder auf Anfang
Damit begann das große Umplanen. Hotels stornieren, neue suchen und vergleichen. Die günstigsten Optionen waren inzwischen weg, also kürzten wir die Reise um zwei Tage. Das war natürlich ärgerlich, aber machbar.

Der neue Plan:
- Auto in Zürich abstellen, eine Nacht dort
- Zug nach Zermatt, dort bleiben und in die Berge
- Am 27.01. mit dem Glacier Express nach St. Moritz
- Von dort zurück nach Zürich und einen Tag später wieder heim
Nun noch das Parkhaus buchen, die restlichen Zugtickets organisieren – wieder als Spartagestickets, damit wir flexibel bleiben. Wenigstens ein Punkt, bei dem ich mich entspannt zurücklehnen konnte.
Unsere Rundfahrt – Tag für Tag
Tag 1 – Ankommen mit Nebenwirkung
Gegen Nachmittag kamen wir im easyHotel Zürich City Centre an. Wir hatten eigentlich vor, die Koffer erst im Hotel abzustellen und dann das Auto wegzubringen, doch was wir nicht fanden: einen Parkplatz direkt am Hotel. Also fuhren wir zum Parkhaus und liefen anschließend etwa 30 Minuten mit den Koffern zurück zum Hotel.
Danach machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch Zürich bis zum Zürichsee, ließen die Stadt auf uns wirken und haben uns nach der langen Autofahrt die Beine vertreten.



Tag 2 – Züge können auch pünktlich
Wir frühstückten in einer Bäckerei und machten uns danach auf den Weg zum Gleis. Und tatsächlich: Der Zug fuhr pünktlich los, alles entspannt, kein Gedränge am Bahnsteig, einfach ein ruhiger Start in den Tag.
In Zermatt angekommen, liefen wir direkt zum Hotel Alphubel. Check-in war zwar noch nicht möglich, aber wir konnten unsere Koffer abstellen und gleich losziehen. Die Straßen waren gut gefüllt, typisch für einen Wintersportort – Menschen unterwegs, die Geschäfte offen, alles lebendig und winterlich, genauso, wie man es sich vorstellt. Das Matterhorn zeigte sich klar am Himmel und stand einfach da, riesig und beeindruckend, wie man es nur von Fotos kennt.


Am Abend sind wir noch zur Touristeninformation gegangen, um die Optionen für den nächsten Tag zu prüfen. Dann ging es zum Pizzaessen – ohne Reservierung in Zermatt ein echtes Glücksspiel, aber wir hatten Glück und bekamen gerade noch einen Tisch.
Tag 3 – Sehr viel Berg
Mit einem Peak-to-Peak starteten wir in den Tag. Dank der Swiis Half Far Card gab es dieses Kombiticket überraschenderweise auch günstiger.
Wir entschieden uns zunächst für den Weg mit den Seilbahnen hinauf zum kleinen Matterhorn. Unterwegs stiegen wir einmal um, um ganz nach oben zu gelangen – die Gondeln waren voll, und die gesamte Fahrt dauerte knapp 45 Minuten. Schon während der Fahrt sahen wir das Matterhorn, das majestätisch über der verschneiten Landschaft thronte. Wir waren fast die einzigen ohne Ski oder Snowboard, ein dezenter Hinweis darauf, dass wir eher Touristen als Wintersportler waren.



Oben angekommen, gingen wir direkt ins Matterhorn Glacier Paradise. Die Eisformationen waren beeindruckend, und es gab einen kleinen Eiskanal, in dem man rutschen konnte. Ich bin auf einer Eisbahn noch nie so schlecht gerutscht, trotz der vorhandenen Rutschmatten. Und weil wir so hoch oben waren, kostete jede Bewegung richtig Kraft – anstrengend, aber auch lustig.
Nach einigem Staunen und Fotos machen fuhren wir wieder mit der Seilbahn vom kleinen Matterhorn hinunter zur Riffelalp, dem dortigen Bahnhof der Gornergratbahn. Von dort aus ging es weiter mit der Bahn auf den Gornergrat. Oben bot sich ein noch klarerer Blick auf das Matterhorn und die umliegenden Berge. Wir nutzten die Gelegenheit für unzählige Fotos und ließen die Aussicht einfach auf uns wirken. Bei einem Abstecher im ZOOOM the Matterhorn kann man das Matterhorn aus verschiedenen Perspektiven entdecken, mehr über die Bergwelt, die Natur und die Geschichte der Gornergratbahn erfahren



Dann stiegen wir in die Gornergratbahn, die uns zurück nach Zermatt brachte. Dick angezogen und gut ausgerüstet, spürten wir weder Kälte noch Erschöpfung, nur das Glück, diesen Tag in den Bergen erlebt zu haben. Die Kombination aus atemberaubenden Blicken auf das Matterhorn, der Fahrt mit Bahn und Seilbahnen und den kleinen Abenteuern auf dem Eis machte den Tag zu etwas, das man so schnell nicht vergisst.
Tag 4 – Glacier Express Tag
Heute stand der Glacier Express im Mittelpunkt. Wir waren früh am Bahnhof und durften als erste einsteigen. Der „langsamste Schnellzug der Welt“ startete pünktlich in die acht Stunden lange Fahrt durch die verschneite Schweiz. Kaum saßen wir, begann das Staunen: Vorbei an Brig und Andermatt, hoch über den Oberalppass auf 2.033 Metern, später wieder bergab durch die Rheinschlucht, weiter Richtung Chur – die Landschaft wechselte ständig, mal sanft, mal spektakulär.
Während draußen die verschneiten Hänge und schneebedeckten Almen vorbeizogen, wurden wir drinnen Gang für Gang mit dem vorab gebuchten Menü verwöhnt. Essen, rausschauen, nochmal essen, nochmal rausschauen – die Kombination aus Genuss und Aussicht machte die Stunden kurzweilig und entspannt.




Dann kam das berühmte Landwasserviadukt, das Highlight der Strecke. Hier drängten sich alle gleichzeitig ans Fenster, jeder wollte den Moment sehen. Auch wir hielten die Kamera parat und genossen die Aussicht, während der Zug elegant über die Brücke fuhr.

Die Fahrt führte weiter vorbei an schneebedeckten Tälern und kleinen Bahnhöfen, bis wir schließlich in St. Moritz ankamen. Der Bahnhof lag im Tal, unser Hotel, das Hotel Bären, ein Stück weiter oben. Wir nahmen den Bus hinauf und konnten direkt einchecken. Im Hotel angekommen erfuhren wir, dass es auch einen kostenlosen Shuttle vom Bahnhof gegeben hätte – gut zu wissen fürs nächste Mal.



Nach dem wir die Koffer abgestellt und uns dick angezogen hatten, machten wir noch einen kurzen Spaziergang durch St. Moritz. Der Ort war winterlich und ruhig, nur ein paar wenige Menschen waren unterwegs. Danach ging es zurück ins Hotel, die Füße hoch und den Tag Revue passieren lassen – zufrieden, entspannt, voller beeindruckender Eindrücke.
Tag 5 – Schnee oben, Wasser unten
Diesmal wollten wir nicht sofort mit dem Zug weiterfahren, sondern uns noch etwas Zeit nehmen, um St. Moritz am Tag zu erkunden. Nach dem Frühstück haben wir ausgecheckt und konnten unsere Koffer an der Rezeption abstellen.
Das Wetter war nicht mehr so klar, es schneite durchgehend. Wir waren froh, dass wir an den vorherigen Tagen so viel Glück mit der Aussicht aufs Matterhorn und der Fahrt im Glacier Express hatten. Heute war der Ort deutlich belebter, und wir schlenderten gute zwei Stunden durch die Straßen.


Besonders beeindruckend war für mich, dass der große St- Moritzsee wirklich jedes Jahr so zufriert, dass im Winter immer wieder riesige Events darauf stattfinden können.
Gegen Mittag kehrten wir zurück zum Hotel und nutzten diesmal den kostenlosen Hotel-Shuttle zum Bahnhof. So ging alles entspannt und unkompliziert.
Auf der anschließenden Zugfahrt nach Zürich verwandelte sich der Schnee nach und nach in leichten Regen – ein langsamer Abschied vom Winter. In Zürich setzte sich der Regen fort, als wir ankamen, und begleitete uns auf dem Weg zum Hotel, wo wir den Tag ruhig ausklingen ließen.




Rückblick auf die Glacier Express Reise
Wenn ich an diese Reise denke, sehe ich zuerst die Panoramafenster des Glacier Express, durch die verschneite Berge und weiße Hänge vorbeiziehen – beeindruckend, fast schon greifbar. Die ganze Planung, das Umbuchen, das frühe Aufstehen für Tickets – das alles rückt in den Hintergrund, sobald man entspannt durch diese Landschaft fährt.
Die Glacier Express Reise war nicht nur diese eine Fahrt, sondern das ganze Erlebnis drumherum: vom entspannten Sitzen und Staunen durch die Berge, das Gefühl, dass die Züge pünktlich fahren und alles dadurch so viel stressfreier ist, bis hin zu den kleinen Überraschungen unterwegs. Die Swiss Half Fare Card hat sich mehr als gelohnt, aber noch schöner war das einfache, unbeschwerte Reisen – von A nach B kommen, ohne selbst zu lenken.

